Interview mit Crem 10/2001





1. Wer bist Du?

CREM aus Ratingen.


2. Wie alt bist Du ?

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3. Wodurch wurde Dein Interesse an Graffiti geweckt?

Erstmal war ich im Kindergarten schon immer der, der lieber gemalt hat, als im Sandkasten zu spielen. Schon da fand ich Buchstaben und Schreiben äußerst spannend.
Von da an war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis ich diesem Virus zum Opfer fallen würde... . Die ersten richtigen pieces habe ich auf jeden Fall in Mülheim an der Ruhr gesehen, wo ich früher mit meinen Eltern fast jede Woche war. Das hatte mich damals immer wieder beeindruckt. Zu der Zeit dachte ich übrigens noch, daß die Jungs nachts mit gigantischen Schablonen rausgingen, wie sonst konnte man wohl mit Sprühdosen so sauber malen?. Später waren es auch die S-Bahnfahrten nach Düsseldorf; die line (eszet usw.) war für mich immer besser als jede Museumsausstellung.


4. Wann wurde Dein Interesse an Graffiti geweckt?

Also ganz genau kann man das nicht festmachen; wenn ich früher z.B. die Sachen in Mülheim gesehen hab‚, das dürfte so in den späten 80ern gewesen sein, hab‚ ich mir immer irgendwie gedacht, später, wenn du groß bist, mußt du das auch mal machen.
In der 4. Klasse haben mein bester Freund und ich alles in diesem Titus-style geschrieben
und dachten, das ist jetzt auch Graffiti, naja. Richtig los ging‚s dann erst so Œ94 etwa, wobei erst halt mehr getagt wurde, dann zählten anfangs auch mehr die Skizzen im Buch. Ab Œ95 kamen dann mehr Žpieces„ und dann kristallisierte sich auch Œraus, für wen aus der Clique das ganze nur Trend war und wer wirklich infiziert ist.


5. Deine Definition von Graffiti als Kunstform?

Also Kunst kommt von Können, ne?
Wenn man so den Beginn der ganzen Moderne betrachtet, war Kunst zu Anfang immer neu, anders, radikal, revolutionär und zudem (oder deshalb) meist auch durch die Öffentlichkeit überhaupt nicht akzeptiert. Meines Erachtens kann man Graffiti definitiv als Kunst bezeichnen. Was jetzt nicht heißen soll, daß zwangsläufig jedes Geschmiere von 14jährigen Blagen Kunst ist. Kunst braucht auch ein Konzept und setzt eine gewisse ernsthafte Beschäftigung mit der Sache voraus. Trotzdem würde ich so weit gehen und auch den Bombingbereich, was jetzt persönlich nicht so mein Fall ist, mit als Kunst zu bezeichnen, denn erstmal ist das ja das eigentliche, ursprüngliche Graffiti. Und Nacht für Nacht rauszugehen ist mehr Einsatz und Risiko als so mancher etablierte Künstler je gewagt hat.


6. Welche anderen Maler/Künstler beeinflussen Dich am meisten?

Aus dem Bekanntenkreis war das sicher CROS aus MH, später auch der MEL-style, ich glaube insgesamt beeinflussen wir uns alle gegenseitig, es gibt immer so bestimmte Moden, die umgehen, was dann auch oft zu den Žeigenen„ styles verschiedener Städte führt. Ansonsten fand ich DELTA immer sehr beeindruckend, da haben sich ganz neue Möglichkeiten aufgetan. Anfangs war das alles aber viel mehr autodidaktisch, weil meine Leute damals und ich eigentlich alle zusammen bei Null angefangen hatten, da gab es jetzt nicht so die großen Vorbilder.


7. Woher nimmst Du Deine Ideen ?

Es sind diese Stimmen, die mich dazu zwingen... Nee, also meistens passiert sowas ganz spontan, manchmal gibt es aber auch so fixe Ideen, was man ewig schon mal umsetzen wollte. Anregungen können eigentlich von überall her kommen, alles was mich umgibt, kann inspirieren.


8. Denkst Du, daß Graffiti und Hip Hop etwas gemeinsam haben ?

Wenn man zurückblickt, gehören Graffiti und Hip Hop ganz klar zusammen. Schade, daß sich das heute wohl etwas verlaufen hat. Auf der anderen Seite soll das jetzt aber auch nicht heißen, daß jeder Maler sich nur darauf fokussieren sollte und jedes Klischee erfüllen muß.


9. Wie siehst Du den Stellenwert des Graffities im Hip Hop Business ?

Zum Business kann ich so nicht viel sagen, ich denke Graffiti spielt da eher eine Nebenrolle, vielleicht um in irgendwelchen Viva-Clips für die richtige street credibility zu sorgen usw. Das große Geld wartet eher woanders, ist ja auch nicht Sinn der Sache. Graffiti wird halt immer die Sparte bleiben, wo man im Endeffekt eher draufzahlen muß, als Geld damit zu verdienen.


10. Wie würdest Du Dein Gefühl beim Malen beschreiben?

Einfach die Genugtuung. Was dem Junkie sein Schuß ist ...

11. Wie beurteilst Du die Entwicklung in Deutschland ?


Ich denke, vom style her sind wir - soweit ich das beurteilen kann - international schon vorne mit dabei, dank einiger großer Namen. Auch was so die Infrastruktur betrifft, an Läden, Veröffentlichungen, Internet (hehe) usw., hat sich einiges getan. Bleibt die Frage, ob die Welt wirklich Graffiti-Lernvideos braucht.


12. Deine Eingebungen zu folgenden Schlagwörtern:

-biting
Meiner Meinung nach wird jeder in gewissem Maße von anderen - und sei es unbewußt - zu
etwas inspiriert. Graffiti kann und muß ja nicht jeden tag neu erfunden werden. Bloßes
Abkupfern bleibt aber verboten.

-Style
muß man erst finden, wird aber dann die Handschrift, die man aus keinem Bild heraushalten
kann, ob blockig, bubble oder 3D, immer verrät er seinen Urheber.

-Schuhe
Sagen viel über ihren Träger aus. Werden aber doch alle von indonesischen Billigarbeitern
hergestellt.

-Kannen
truecolorbeltonmontana - hauptsache deckt

-Caps
frag‚ MOH.

-Farbe
für mich bitte leuchtend bunt und auffällig, aber kein blaulicht! Grau ist die Stadt sowieso.

-Musik
hiphoptechouseraggadnbpunkdub - (fast) alles außer Manowar.

-Respekt
das A & O . Ehre, wem Ehre gebührt.

-Zukunft
schau‚n wer mal.

-Business
busybusy


13. Wie entwickelst Du Dich weiter?

Man lernt nie aus.


14. Die Geschichte der Styles und Dein Part davon ? o. was hältst Du von neuen Styles ?

Meinen Part dabei zu beurteilen, überlasse ich lieber anderen. Ansonsten halte ich es schon für wichtig, daß jeder versucht, etwas Eigenes, Neues weiterzuentwickeln und einzubringen, sonst stagniert das ganze ja und wir malen alle nur noch bubbles ...


15. Was ist Deine Schule ?

Die 2. Malergeneration ? die 3.? 4.? Schwer zu sagen.


16. Was machst Du, wenn Du nicht malst ?

Momentan verschlingt mein Studium viel Zeit, dann gibt‚s noch meine Freundin, in der restlichen Zeit umgebe ich mich auch gerne mal mit Žnormalen„ Menschen. Im übrigen halte ich mich auch viel in unseren Nachbarstaaten auf ...


17. Was ist Dir wichtig ?

Das zu machen, was ich will. Zufriedenheit. Perfektionismus (is‚ne Krankheit)


18. Wie standen o. stehen Deine Eltern zum Malen ?

Solange sich das Ganze im Rahmen des Gesetzes bewegt, ist Graffiti eine gute Sache. Ich bin immer darin unterstützt und bestärkt worden. Danke ! Illegale Schmierereien: warum machen diese Leute das überhaupt ?


19. Machst Du Dir Gedanken über Deine Gesundheit, falls ja, wie schützt Du diese ?

Handschuhe sind wichtig gegen Hautkrebs, hab‚ ich mal gehört. Und da wir ja alle starke Raucher sind, ist Maske (mit Filter!) zumindest in geschlossenen Räumen Pflicht !


20. An was glaubst Du ?

Nennen wir es Žden großen Plan„.


21. Wo willst Du hin ?

Also ich bin da nicht so ehrgeizig zu sagen Žnach ganz oben„. Hauptsache ich bin glücklich und wir sind alle gesund.


22. Grüße? Props?

Erstmal Danke fürs Interview: Danke, Chris.
Vanessa (xxx), MOH, DAIKER, KES, MORBIT. AXE, MEL, Patrick, SEKT, Tim und die Kesselkinder, SHOR, CROS (?!), René, Anke, Roger, Dennis, Marco, Sven, Dave, Jason, Leo, Mr.Vogelz, Fu, FOO und meinen russischen Freund Oleg Popow. GIME/ZK, SKY/MOSH/MC (B).


23. Last words ?

Stoßt Euch nicht am Fels.






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